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Finanzierung von Lehrpraxen für Allgemeinmedizin

Salzburger Lösung kann auch ab 2018 allen Jungmedizinern einen Platz in einer Lehrpraxis garantieren

(LK) "Bei unseren intensiven Anstrengungen, die Allgemeinmedizin in Salzburg weiter zu stärken und die Ausbildung der jungen Medizinerinnen und Mediziner möglichst attraktiv zu gestalten, sind wir jetzt einen wichtigen Schritt vorangekommen. In einem sehr konstruktiven Arbeitsgespräch mit Vertretern der Salzburger Gebietskrankenkasse, der Salzburger Ärztekammer, der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ist es gelungen, eine gemeinsame Lösung zur Finanzierung der allgemeinmedizinischen Lehrpraxis zu finden. Somit kann auch im kommenden Jahr jedem Interessenten jederzeit ein Platz in einer Lehrpraxis garantiert werden.

Beruf der Hausärztin

Die Ausbildung in den Lehrpraxen ist nämlich ein wichtiges Kriterium für Ärztinnen und Ärzte, sich für eine Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin bzw. zum Allgemeinmediziner zu entscheiden. Das haben uns die Erfahrungen und Rückmeldungen beim bereits laufenden Projekt Salzburger Initiative Allgemeinmedizin gezeigt. Ich hoffe, dass sich viele Jungmedizinerinnen und Jungmediziner zum Beruf der Hausärztin bzw. des Hausarztes entschließen und vom Angebot der Lehrpraxis Gebrauch machen." Das teilte heute, Mittwoch, 1. November, Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl mit.

Sechs Monate in einer Praxis

Die Lehrpraxis bietet in Ausbildung stehenden Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, nach der 27-monatigen Praxis in einem Krankenhaus sechs Monate in einer allgemeinmedizinischen Praxis mitzuarbeiten. Dabei können sie von einer Hausärztin bzw. einem Hausarzt jene für das Fach relevanten Inhalte, die im Krankenhaus oft zu kurz kommen, kennenlernen und sich aneignen. Ab Mitte 2018 kommen die ersten Ärztinnen und Ärzte, die ihre Ausbildung nach der neuen Ärzte-Ausbildungsordnung absolvieren, in die verpflichtende Lehrpraxis. "Daher ist es doppelt wichtig, dass die Finanzierung der Lehrpraxen in Salzburg gesichert ist. Einerseits für diejenigen, die derzeit noch freiwillig in eine Lehrpraxis wollen und sich möglicherweise der Allgemeinmedizin erhalten bleiben, andererseits für jene, für die eine Lehrpraxis dann verpflichtend ist", so Stöckl.

Kostenaufteilung

"Obwohl ich bereits mehrmals urgiert und darauf gedrängt habe, gibt es bisher noch immer keine bundeseinheitliche Lösung zur Finanzierung der Lehrpraxis. Allerdings hat das Gesundheitsministerium einen Beitrag in der Höhe von einer Million Euro zur Finanzierung von Lehrpraxen zugesagt. Ich gehe davon aus, dass das Gesundheitsministerium unser österreichweit vorbildhaftes Vorhaben mit einem Teil dieses Geld unterstützt und habe die Gesundheitsministerin um Übernahme von 20 Prozent der in Salzburg anfallenden Kosten ersucht. 35 Prozent der Kosten werden jeweils vom Land Salzburg und der Salzburger Gebietskrankenkasse getragen, zehn Prozent vom Inhaber der Lehrpraxis", erläuterte Stöckl die Finanzierung des Projektes. "Mit dieser Lösung können wir in Salzburg auch ab 2018 allen Ärztinnen und Ärzten einen Platz in einer Lehrpraxis zusichern", so Stöckl.

Versorgung der Salzburger Bevölkerung

"Die Lehrpraxis ist ein Kernstück der Ausbildung künftiger Ärztinnen und Ärzte. Mit ihrer Hilfe gelingt es, junge Ärztinnen und Ärzte mit der allgemeinmedizinischen Arbeitswirklichkeit vertraut zu machen. Aus diesem Grund misst ihr die nachrückende Ärztegeneration einen hohen Stellenwert bei. Damit ist sie ein wesentliches Element, um die Versorgung unserer Salzburger Bevölkerung mit Allgemeinmedizinern auch in Zukunft sicherstellen zu können. Die Salzburger Initiative Allgemeinmedizin wird dies, auch wenn bundesweite Lösungsansätze fehlen, ermöglichen. Diese Salzburger Lösung ist dem gemeinsamen Verständnis der Sozialpartner und des Landes Salzburg zu verdanken", erklärte dazu der Präsident der Salzburger Ärztekammer, Karl Forstner.

Salzburger Landarztstudie

Der Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse Andreas Huss betonte dazu: "Junge Ärztinnen und Ärzte fühlen sich im Spital nicht ausreichend auf die Arbeit in der eigenen Praxis vorbereitet. Das war eines der zentralen Ergebnisse der Salzburger Landarztstudie von 2011. Gemeinsam haben wir daher mit der Salzburger Initiative Allgemeinmedizin eine eigene Art von Lehrpraxis in Salzburg entwickelt, die jungen Ärztinnen und Ärzten den Schritt in die eigene Ordination erleichtert. Die Salzburger Gebietskrankenkasse beteiligt sich an den Kosten für diese Ausbildungsmaßnahme, auch wenn dies eigentlich Aufgabe und Zuständigkeit des Bundes wäre. Die Lehrpraxis ist für Salzburg ein wesentliches Element, um unsere Hausarztstellen im Bundesland weiterhin besetzen zu können." 171101_60 (rb/sm)