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Bildnachweis: Rundgeht's

Abfälle sind wertvolle Rohstoffe 

Es geht rund in der Abfallwirtschaft: Kunststoffabfälle haben sich in den letzten Tagen in der Grazer Innenstadt ausgebreitet, als Damenschuhe getarnt die Auslagen von Geschäften geziert und sich vor der Mariensäule getürmt. Diese Aktionen stehen für den öffentlichen Start der Kampagne „RUND GEHT‘S“ in Österreich. Im Web, mittels Foldern und Werbesujets soll der Bevölkerung anhand ganz konkreter Beispiele vermittelt werden: Abfälle sind Ausgangsstoff für wertvolle Rohstoffe. Durch Recycling finden sich diese in immer mehr Produkten wieder. Und so kann der alte Joghurtbecher zum Beispiel den Rohstoff für den Stöckel eines Damenschuhs liefern. Trennen und Sammeln macht Sinn! 

Jährlich fallen in ganz Österreich mehr als 57 Millionen Tonnen an Abfällen an. Vier Millionen Tonnen werden in Form von Sperrmüll, Elektroaltgeräten, biogenen Abfällen, Verpackungen und sonstigen Altstoffen aus Haushalten gezielt gesammelt, weitere 22 Millionen Tonnen Abfälle haben ebenfalls ein enormes Recyclingpotenzial. Der Steirer/die Steirerin entsorgt pro Jahr durchschnittlich 445 kg an unterschiedlichen Abfällen. Darin enthalten sind 90 kg biogener Abfall, 178 kg Altstoffe für die Wiederverwertung und 162 kg an Rest- und Sperrmüll. Dazu kommen Elektroaltgeräte, Batterien und sonstige Problemstoffe. Trotz guter Trennquote befinden sich im steirischen Restmüll (wie auch in anderen Bundesländern) nach wie vor noch Verpackungen und andere Altstoffe mit erheblichem Wertstoffpotenzial (Wertstofferlös rd. 11 Millionen Euro pro Jahr). Berücksichtigt man auch die Behandlungskosten, so könnten insgesamt rund 20 Millionen Euro jährlich eingespart werden. 

Abfälle sind – nach einer entsprechenden Bearbeitung – ein wichtiger Rohstoff und das wird jetzt auch der Bevölkerung mit der Kampagne „RUND GEHT’S“ bewusst gemacht. Diese folgt den Spuren unserer Reste und holt die vielfältigen Kreisläufe vor den Vorhang: Wussten Sie, dass aus Altpapier neues Papier produziert wird? Wahrscheinlich schon. Aber wie sieht’s mit folgenden Beispielen aus: Aus Elektroaltgeräten wird sogar Gold und Silber für Schmuck gewonnen, Kunststoffverpackungen werden wieder zu Kunststoffverpackungen oder zu Granulaten für Gartenmöbel oder Absätzen von High Heels. Und Eisen aus Autowracks findet sich in Windradstehern wieder! „RUND GEHT‘S“ zeigt genau diese vielfältigen Wege – was mit den Resten des Alltags passiert, nachdem man sie entsorgt hat. Und zwar anhand von bekannten und weniger bekannten Good Practice Beispielen sowie interessanten Re-Use-Projekten. Dadurch wird das Sammelengagement der heimischen Bevölkerung – die korrekt getrennte Sammlung ist Voraussetzung für die anschließende Aufbereitung der Abfallströme zum weiteren Recycling –bestärkt. 

Ins Leben gerufen wurde die Kampagne vom Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) gemeinsam mit zahlreichen Akteuren der Abfallwirtschaft, den Bundesländern, den Abfallverbänden, dem BMLFUW (Umweltministerium), der WKO, und vielen privaten Unternehmen, wie aus der Steiermark: Saubermacher, Müllex, Zuser, Anton Mayer Ges.m.b.H., Schrottwolf, FCC Austria Abfall Service AG etc. Bis heute unterstützen österreichweit mehr als 50 Partner diese Initiative. 

Website, Facebook & Co: Kreislaufgeschichten aus dem Alltag 

Auf der neuen Website www.rundgehts.at können Herr und Frau Österreicher Schritt für Schritt den Weg ihres Abfalls zum Rohstoff für neue Produkte mitverfolgen und bekommen einen Einblick, was und wie viel noch daraus gewonnen werden kann. Zudem gibt es viele Infos, Zahlen und Fakten zur heimischen Abfallwirtschaft und welche Maßnahmen gesetzt werden, damit aus dem Abfall von heute schon morgen ein neues Produkt entsteht und so wertvolle Rohstoffe geschont werden. 

Jedes Beispiel ist immer so aufgebaut, dass detailliert erklärt wird, wie der Abfall X in ein neues Produkt Y fließt. Anhand des Kreislaufs „von Elektroaltgeräten zum Schmuckstück“ gestaltet sich das inhaltlich beispielsweise folgendermaßen: Jährlich werden österreichweit 82.400 Tonnen Elektroaltgeräte in kommunalen oder gewerblichen Sammelstellen gesammelt. Von dort werden sie zu speziellen Verwertungsanlagen gebracht, wo in einem ersten Schritt Teile zur Wiederverwertung ausgebaut und Schadstoffe entfernt werden. Im Schredder wird der Elektronikschrott dann weiter zerkleinert und Eisenmetalle mittels Magneten ausgeschieden. Das restliche Material kommt in ein Schüttelsieb, wodurch Nichteisenmetalle herausgesiebt werden. Diese Nichteisenmetalle – wie beispielsweise Kupfer, Gold oder Silber – können dann wieder eingeschmolzen und beispielsweise in Schmuckstücken verarbeitet werden. 

Der Kreislauf „von Joghurtbechern & Co zu Damenschuhabsätzen“ wird wie folgt dargestellt: Aus Altstoffsammelzentren und von den Entsorgungsunternehmen kommen Joghurtbecher, Pflanztöpfe & Co zu speziellen Aufbereitungsanlagen, wo sie gereinigt und sortenrein getrennt werden. In einem sogenannten „Extrusionsverfahren“ werden die Kunststoffteile zerkleinert und im weiteren Verarbeitungsschritt eingeschmolzen, wodurch Kunststoffgranulate entstehen. Diese können dann wieder aufgeschmolzen und in die gewünschte Form gepresst werden. Da Kunststoffgranulate sehr robust sind, eignen sie sich gut für Stöckel von Damenschuhen oder auch als Gartenmöbel. 

Neben dem Webauftritt wurden auch frische Werbesujets zu verschiedenen Sammelfraktionen, Online-Banner, Infofolder u.v.m. entwickelt, sowie eine Facebook-Seite www.facebook.com/rundgehts aufgesetzt, um die ÖsterreicherInnen auch im Social Media-Kosmos mit allen News zu versorgen. 

Kampagnen-Auftakt: Startschuss mit Eyecatcher auf öffentlichen Plätzen 

Zum Start der Kampagne gibt es auffällige Medienaktionen in verschiedenen Städten Österreichs. Den BewohnerInnen wird dabei hautnah vermittelt, was durch eine Wiederverwendung oder eine stoffliche Verwertung alles möglich ist und wie sich die Recyclingkreisläufe schließen. Den Auftakt markiert Graz anlässlich der Abfallwirtschaftstagung am 10. und 11. Mai 2017 zum Thema Kunststoffabfälle, wo mit einer Kunstinstallation im öffentlichen Raum – einer Pyramide aus Kunststoffabfällen beim Eisernen Tor und Schuhen aus Joghurtbechern in den Auslagen zahlreicher Geschäfte in der Grazer Innenstadt – auf die Kampagne aufmerksam gemacht wird.