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Mit Handy-App Verbesserungspotenzial bei Öffis erforschen

Ein fünfmonatiger Pilotversuch von Bund, Ländern und ÖBB startet im Juni. 500 Testpersonen in der Steiermark und Kärnten erhalten Zugang zu allen Öffis. Das Smartphone-App fungiert dabei als gemeinsames Ticket.

Verkehrsministerium, Land Steiermark, Land Kärnten und ÖBB starten im Juni einen Pilotversuch, bei dem bis zu 500 Testpersonen alle öffentlichen Verkehrsmittel in den beiden Bundesländern nützen dürfen. Bei der fünf Monate dauernden Aktion können Besitzerinnen und Besitzer der „Österreich-Card“ der ÖBB im Netz der Verkehrsverbünde fahren, ohne dafür aufzahlen zu müssen. Eine Smartphone-App dient dabei als gemeinsames Ticket für alle Öffis in der Steiermark und Kärnten. Sie analysiert das Mobilitätsverhalten der Öffi-Nutzer und wird im Rahmen des Pilotversuchs auf ihre Tauglichkeit getestet. Langfristiges Ziel des Forschungsprojekts ist es, das Öffi-Angebot zu verbessern und Schnittstellen zwischen Straßenbahn, Bahn und Bus zu optimieren, etwa die Abfahrtszeiten besser aufeinander abzustimmen, Potenziale für Zubringerverkehre zu erkennen oder neue Routen und Haltestellen bei Bussen zu finden.

„Wer mit den Öffis unterwegs ist, nutzt meistens unterschiedliche Verkehrsmittel. Mit dem Bus zum Bahnhof, vom Zug in die Bim. Das Umsteigen muss rasch und bequem sein, damit viele Menschen auf unsere Öffis setzen. Mit unserer neuen App erforschen wir erstmals ganz genau wo es hakt, damit wir das Angebot für die Kunden maßgeschneidert verbessern können“, so Verkehrsminister Jörg Leichtfried.

Die Projekt-App wurde vom AIT Austrian Institute of Technology entwickelt und dokumentiert automatisch das gewählte Verkehrsmittel, den CO2-Verbrauch und die Wegstrecke. Ob die Projektteilnehmerin oder der Projektteilnehmer im Bus, in der Bahn oder mit der Straßenbahn unterwegs ist, erkennt die App anhand der gewählten Strecke und den auftretenden Erschütterungen während der Fahrt. Die Daten werden so anonymisiert, dass sie einzelnen Testpersonen nicht zugeordnet werden können. Mit dem Pilotprojekt wird erstmals ein technisches System erprobt, das bundesländerübergreifend den Zugang zu allen öffentlichen Verkehrsmitteln ermöglicht.

Der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang bedankte sich bei Minister Jörg Leichtfried dafür, dass die Steiermark gemeinsam mit Kärnten für dieses innovative Pilotprojekt ausgewählt wurde. „Mit dem Projekt wollen wir mehr über das Mobilitätsverhalten der Steirerinnen und Steirer erfahren. Es sollen verschiedene Verkehrsmodi wie zum Beispiel Gehen, Radfahren oder die Fortbewegung per Auto, Bus, Bahn etc. unterschieden werden. Das Land Steiermark erwartet sich aus diesem Projekt Erkenntnisse, inwieweit diese Technologie künftig für die Erhebung von Mobilitätsverhalten oder für die Einnahmenaufteilung, in fernerer Zukunft vielleicht sogar für Ticketing genutzt werden kann“, so Lang. Während des Projektzeitraumes von fünf Monaten wird die App in Verbindung mit dem TeilnehmerInnenausweis von den Verkehrsunternehmen als Fahrkarte im steirischen Verkehrsverbund anerkannt. „Der dadurch entstehende Einnahmenausfall wird vom Land Steiermark getragen“, so Lang.

Dieser Pilotversuch in Kärnten und der Steiermark im Rahmen des Forschungsprojektes sei für ihn ein wichtiger Schritt in Richtung eines benutzerfreundlichen Öffentlichen Verkehrssystems, erklärte Landesrat Rolf Holub. Man verspreche sich mit dem Projekt wichtige Erkenntnisse darüber, wie stark welche Verkehrsmittel nachgefragt und genutzt werden, so Holub: „Die Kärntnerinnen und Kärntner sollen in Zukunft automatisch die richtige und kostengünstigste Fahrkarte gebucht erhalten und wie beim Handy die Abrechnung nach Hause geschickt bekommen.“ Die technischen Möglichkeiten mittels App böten zudem eine sehr gute Datengrundlage für die Aufteilung der Fahrkarteneinnahmen auf die an den Kärntner Linien beteiligten Verkehrsunternehmen. Holub appellierte daher an die Kärntnerinnen und Kärntner mit Österreich-Card, sich an diesem innovativen Projekt zu beteiligen und damit einen Beitrag zur Verbesserung des Öffi-Systems beizutragen. Sein Dank gelte sowohl Verkehrsminister Jörg Leichtfried, der Kärnten mit seinem „Mobilitätsmasterplan 2035“ als Pilotregion auswählte, als auch dem Land Steiermark, das bereits seit längerer Zeit ein verlässlicher Partner sei, so Holub.

„Mit 1,3 Mio. Reisenden täglich sind die ÖBB das größte Mobilitätsunternehmen Österreichs und damit das Bindeglied zwischen allen heimischen Anbietern des öffentlichen Verkehrs. In Zeiten der Digitalisierung und der damit verbundenen Veränderung aller Lebensbereiche sind daher intelligente Mobilitätkonzepte gefragt, damit die ÖBB entsprechend erfolgreich in die Zukunft gehen und weiterhin Menschen für Bahn und Bus begeistern. Unser Ziel ist es, mit diesem Pilotprojekt gezielt Technologien der Zukunft und deren Grenzen zu testen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können wieder in Überlegungen einfließen, in wie weit künftig z. B. Verkehrsströme noch besser geplant, Fahrpläne optimiert oder auch weitere CO2-Reduktionen erreicht werden können“, so Valerie Hackl, Vorstandsmitglied der ÖBB-Personenverkehr AG.