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Bildnachweis: Herzi Pinki - Wikipedia

Alle profitieren von Investitionen

Eine weitere niederösterreichische Gemeinde hat es 2016 in die Top 5 geschafft. Die Marktgemeinde Gresten weist seit Jahren hervorragende Werte auf.
Von Agnes Kern
 


Die Gemeinde Gresten startete im Frühjahr 2016 mit dem Bau einer neuen Kläranlage. Bildnachweis: Reinhold Kefer
 

Heuer landete Gresten österreichweit auf dem vierten Platz. „Das Ergebnis des Rankings ist eine Bestätigung unserer wirklich umfassenden Finanzpolitik, das muss ich schon sagen,“ freut sich Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger über das Abschneiden seiner Gemeinde, dämpft aber gleichzeitig zukünftige Erwartungen: „Ich glaube aber, dass wir das letzte Mal bei diesem Ranking dabei sind. Wir erneuern nämlich groß unsere Kläranlage. Das ist eine Investition von 3,5 Mio. Euro. Das ist auch das erste Mal, dass wir für diese Investition Schulden machen mussten. Bisher haben wir nur zinsgestützte Darlehen aufgenommen.“ In den 20 Jahren der Amtszeit Fahrnbergers hat Gresten für alle Projekte angespart und sie dann verwirklicht. Da die Gemeinde über genügend eigene Einnahmen verfügt, war dies auch leicht möglich. Bei rund 2.000 Erst- und 500 Zweitwohnsitzern gibt es in Gresten mehr als 1.300 Arbeitsplätze. Als Einpendlergemeinde verfügt sie mit rund 1,2 Mio. Euro an Kommunalsteuereinnahmen über genügend finanziellen Spielraum. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass die Gemeinde flächenmäßig sehr klein ist. Bei rund 4 km2 rechnen sich Kanal und Wasser. Und auch beim Erhalt der Gemeindestraßen oder beim Winterdienst macht sich die kompakte Größe bemerkbar.

Durch den Platzmangel ist die Gemeinde aber auch eingeschränkt, beispielsweise bei neuen Betriebsflächen. „Wir sind aber auch eine Wohngemeinde. Wir haben mit vier Genossenschaften in den letzten 10 Jahren immer wieder neue Wohnungen gebaut. Wir sind auf einem guten Weg, können aber nicht endlos wachsen. Wir sind ziemlich am Ende unserer Fahnenstange mit der Entwicklungsmöglichkeit, auch aus Raumordnungsgründen.“

Die Nachbargemeinde Gresten-Land nutzt die großzügige Infrastruktur – vom Schwimmbad bis zu den Proberäumen für die beiden Musikkapellen – mit, sogar das Gemeindeamt von Gresten-Land steht in Gresten. Auch so können Kosten eingespart werden: „Wir haben eine gemeinsame Schulgemeinde und einen gemeinsamen Staatsbürgerschaftsverband. Die Vereine, auch die Feuerwehr, hat sehr viele Mitglieder aus Gresten-Land“, erklärt Fahrnberger.


Im August 2015 wurden die sanierten Straßenzüge (Friedhofgasse mit Kirchenplatz, Badgasse mit Rathausplatz und die Ufergasse - hier im Bild) gesegnet. Bildnachweis: Reinhold Kefer

Die Zukunft der Gemeinde sieht der Bürgermeister positiv, da alle wichtigen Infrastrukturprojekte erledigt sind. „Ich wüsste nicht, was ich noch bauen soll. Denn eigentlich ist alles, was wir noch machen, keine Pflichtaufgabe einer Gemeinde, sondern da sind sehr viele freiwillige Leistungen dabei. Wir haben vom Land einen Rüffel bekommen, dass wir zu großzügig sind, obwohl wir es uns leisten können. Wir unterstützen die Vereine sehr großzügig und geben viel für freiwillige Dinge her,“ so Fahrnberger und erzählt vom neuen Heim für den Schützenverein und der Flutlichtanlage für die Fußballer.

Trotz der zahlreichen Infrastrukturprojekte zur Hebung der Lebensqualität müssen die Folgekosten beachtet werden: „Das muss man im Auge behalten. Das muss in einer gewissen Wirtschaftlichkeit bleiben. Wir möchten beispielsweise noch einen Jugendraum errichten. Aber wir haben Abgänge beim Schwimmbad, der Kulturschmiede und wir haben auch eine moderne Saunalandschaft gebaut. Davon kann man sich natürlich nicht zu viel leisten.“

„Ich bin stolz darauf, dass in unserer Gemeinde noch investiert wird. Man kann mit gutem Gewissen sagen, wir erfüllen unseren Auftrag als öffentlicher Investor, von dem auch die Wirtschaft profitiert. Wir müssen nicht, wie viele Gemeinden sagen, froh sein, nur den Betrieb abdecken und die Leute zahlen zu können," sagt Grestens Bürgermeister Wolfgang Fahrnberger.

Auch beim Land ist man über das gute Abschneiden sehr erfreut. „Das interessante ist, dass beide Gemeinden von der Größenordnung her ähnlich sind, so um die 2.000 Einwohner. Es sind jedenfalls Gemeinden einer sehr überschaubaren Größe. Beide haben eine gute Einnahmenstruktur. Die Kommunalsteuer in Gresten ist im Vergleich zu anderen Gemeinden sehr gut und auch Schönkirchen-Reyersdorf hat eine gute Einnahmensituation. Sie haben auch eine sehr geringe Verschuldung. Wenn man konstant im vorderen Bereich liegt, dann muss schon eine effiziente Verwaltung auf Gemeindeebene da sein, die sich hier wirklich darum kümmert. Rücklagen sind da, Gebühren werden kostendeckend kalkuliert. Hier spielen sicher mehrere Punkte zusammen. Ganz wesentlich für diese Gemeinden ist, dass sie auch eigene Einnahmen erzielen und sorgsam damit umgehen“, erklärt Anna-Margaretha Sturm von der Gemeindeabteilung der NÖ Landesregierung.