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Die Top-250-Gemeinden 2014

public präsentiert sein diesjähriges Ranking zur finanziellen Lage der österreichischen Städte und Gemeinden. In unserem Auftrag analysierten die Experten des KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung heuer wieder die Bonität aller österreichischen Gemeinden. Das Bild, das sich zeigt, ist zwar ähnlich wie im Vorjahr, aber das Abschneiden einzelner Gemeinden überrascht, wie Sie auch in unserem Coverbeitrag nachlesen können. Von Agnes Kern

Das public Bonitäts-Ranking 2014 hat eine Doppelspitze: die Tiroler Gemeinde Reith bei Kitzbühel und die Salzburger Gemeinde St. Johann im Pongau sind Österreichs finanzstärkste Kommunen. Sie verfügen im Vergleich mit anderen österreichischen Gemeinden gleicher Größe über eine sehr hohe Finanzkraft. Auf Platz drei liegt Judendorf-Straßengel, Steiermark.

Gemeindeatlas_2014

In absoluten Zahlen belegen im Ranking 2014 vor allem kleine sowie burgenländische und niederösterreichische Gemeinden die obersten Plätze. Da es aber insgesamt mehr kleine als große Gemeinden in Österreich gibt, sind auch im Ranking im ersten Zehntel mehr kleine als große Gemeinden gelistet. Ähnlich verhält es sich mit den Gemeinden in Niederösterreich. Eine Gesamtschau des Bonitätsrankings zeigt, dass die Gemeinden - bis auf einige Ausreißer - relativ gleichmäßig verteilt sind.

Besonderheiten nach Gemeindegrößenklassen

Ein paar Rückschlüsse lassen sich aber dennoch ziehen. Erstens findet man im obersten Zehntel besonders viele Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 EW und wenig Gemeinden bis 1.000 EW sowie über 10.000 EW. Und zweitens dominieren im letzten Zehntel Gemeinden bis 1.000 EW bzw. über 10.000 EW. Den geringsten Anteil weisen hier Gemeinden zwischen 2.501 und 5.000 EW auf. Der Grund dafür ist, dass Gemeinden bis 1.000 EW tendenziell finanzschwach sind, jedoch aufgrund struktureller Probleme meist hohe Ausgaben je EW aufweisen. Gemeinden über 10.000 EW sind grundsätzlich zwar finanzstark, tragen jedoch hohe Transferlasten an die Länder und indirekt an die kleineren Gemeinden. Zudem haben sie hohe Ausgaben für zentralörtliche Aufgaben, die im Finanzausgleich unzureichend abgegolten werden.

Grossenklassen

Betrachtung nach Bundesländern

Regional betrachtet weisen die besten Bonitätswerte Gemeinden im Burgenland und in Salzburg auf. Im Burgenland sind 28 Prozent der Gemeinden im ersten Zehntel. Die Finanzkraft ist im Österreichvergleich zwar gering, aber die laufenden Transferzahlungen an das Land sind dies ebenfalls. Hinzu kommen geringere Personal- und Sachausgaben. Außerdem haben die burgenländischen Gemeinden im Jahr 2012 den Verkaufserlös aus den BEGAS-Anteilen von insgesamt rund 100 Mio. Euro in der laufenden Gebarung verbucht, sodass das Ergebnis der laufenden Gebarung für die burgenländischen Gemeinden in diesem Jahr besonders gut ausgefallen ist.

In Salzburg finden sich 19 Prozent der Gemeinden im obersten Zehntel. Die Gründe dafür sind allerdings andere. Die Salzburger Kommunen verfügen aufgrund von hohen Ertragsanteilen sowie gemeindeeigenen Steuern über eine hohe Finanzkraft und die Transfers sind aufgrund landesinterner Reformen in den letzten Jahren geringer angestiegen. Auch führt der Bevölkerungszuwachs zu steigenden Einnahmen. Die geringsten Bonitätswerte findet man in Kärnten und Oberösterreich. Die Ursachen liegen in der geringeren Finanzkraft, strukturellen Problemen aufgrund der schrumpfenden Bevölkerungszahl sowie sehr hohen Transferzahlungen an das Land. In Oberösterreich wird die an sich hohe Finanzkraft durch die höchste Transferlast im Österreichvergleich sowie die kleinteilige Gemeindestruktur und die damit verbundenen hohen ordentlichen Ausgaben je EW der Gemeinden unter 1.000 EW mehr als ausgeglichen.

In den anderen Bundesländern zeigen sich unterschiedliche Trends. In Tirol sind die Gemeinden mehrheitlich in der oberen Hälfte angesiedelt. In der Steiermark weisen sie tendenziell ein schlechteres Bild aus - ein Großteil der Gemeinden befindet sich in der unteren Hälfte. In Niederösterreich und Vorarlberg zeigt sich ein homogenes Bild.

BundeslanderBasis für die Analyse

Die Analyse der Gemeindehaushalte basiert auf der Berechnung von Kennzahlen im Rahmen des schon seit vielen Jahren vom KDZ verwendeten KDZ-Quicktests. Mit diesen Kennzahlen werden die Gemeindefinanzen auf Basis des Voranschlags- und Rechnungsquerschnitts anhand der vier Dimensionen Ertragskraft, Eigenfinanzierungskraft, Verschuldung und finanzielle Leistungsfähigkeit analysiert. Zu den Kennzahlen zählen die öffentliche Sparquote, die Eigenfinanzierungsquote, die Verschuldungsdauer, die Schuldendienstquote, die finanzielle Leistungsfähigkeit, die Eigenfinanzierungsquote und der Verschuldungsgrad. Details finden Sie hier. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Bonität bzw. wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von einer Vielzahl von Faktoren wie der Wirtschaftskraft, dem primären Finanzausgleich, der demografischen Entwicklung, den Transferregimen in den einzelnen Ländern, aber auch vom Gemeindemanagement abhängt.

Die Details zu einzelnen Gemeinden, Wortmeldungen zahlreicher Bürgermeister und weitere Analysen zu den Themen Abwanderung, Urbanisierung, Daseinsvorsorge sowie Bildung lesen Sie in unserer Sonderausgabe 2014!

Liste aller Top-250-Gemeinden 2014

Gemeindeindex - alle Gemeinden des Rankings in alphabetischer Reihenfolge

Hintergrundinformationen zu public - das österreichische gemeindemagazin und dem KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung