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menschen_12_2012

Nicht nur 16 Tage

Jedes Jahr von 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember findet weltweit die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Seit 1992 nehmen auch Österreichs Städte und Gemeinden daran teil.
Von Ewa Petermann

Dass Gewalt an Frauen kein Randgruppenthema ist, sondern eine massive Menschenrechtsverletzung, die 365 Tage im Jahr auch in unserem Land stattfindet, ist immer noch kaum im Bewusstsein der Österreicher angekommen. Auch jene, die miterleben, dass Kolleginnen oder Freundinnen verprügelt, gemobbt oder entwürdigt werden, sehen in vielen Fällen weg, belächeln, dulden, verharmlosen – und schweigen (siehe public-Coverstory S. 8 bis 11).

Umso wichtiger sind die Aktionen, die auch heuer wieder im Rahmen der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ stattgefunden haben. Österreichweit. Vom Burgenland bis Vorarlberg. Es gab Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Ausstellungen, Straßenaktionen, Ringvorlesungen oder Workshops. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, um zu sensibilisieren und betroffenen Frauen Unterstützung und hilfreiche Informationen anzubieten.

Aufklärende Aktionen

In Steyr etwa wurden Snacks in Papiersackerln mit der Aufschrift „Gestärkt gegen Gewalt“ und der Frauenhelpline 0800 222 555 verteilt. Am Linzer Hauptbahnhof startete eine Bewusstseins-Offensive gegen Gewalt an Frauen mit der Wanderausstellung „Silent Witnesses“. 16 lebensgroße, rot lackierte Frauenfiguren aus Holz stehen stellvertretend für Frauen, die in den vergangenen Jahren in Österreich getötet wurden. Auf jeder Figur wird die Lebensgeschichte einer Frau skizziert. Und alle haben etwas gemeinsam: Die Morde sind nicht aus heiterem Himmel passiert – alle Frauen wurden vorher misshandelt, bedroht, und einige Morde wurden angekündigt.

Lautstark gepfiffen auf die Gewalt wurde in Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Neunkirchen, Salzburg, St. Pölten, St. Valentin, Wien und Wiener Neustadt. Und das von Männern und Frauen gemeinsam. Die dazu verteilten Notrufpfeifen hatten den Aufdruck „Ich pfeif auf Gewalt“ und die Nummer der jeweils nächsten Helpline. In allen Bundesländern fanden die Aktionstage gegen Frauengewalt regen Zustrom und wurden von zahlreicher Prominenz und Politikern aller Couleurs unterstützt.

Bewusstsein

2010 hat das EU-Barometer nachgewiesen, dass in Österreich körperliche, psychische und sexuelle Gewalt an Frauen weit weniger schwerwiegend beurteilt wird als im EU-Durchschnitt. Eine klare Haltung gegen Gewalt ist deshalb bitter nötig. Nur wenn alle Position beziehen, das Thema immer weiter öffentlich diskutiert wird, werden Betroffene Hilfe suchen und annehmen. Bleibt zu hoffen, dass aus den jährlich 16 tabubrechenden Tagen 365 werden.