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Kick in die Gemeindepolitik

Mit einer ausgeklügelten Kampagne soll die Zahl der SPÖ-Gemeindevertreterinnen in Salzburg nach der Wahl 2014 verdoppelt werden. Von 20 auf 40 Prozent. Mindestens.

Von Alexandra Keller

debatte_frauenJohanna Dohnal, die 2010 verstorbene Grande Dame der österreichischen Frauenpolitik, hat in den letzten Jahren ihres Lebens noch einmal gezeigt, wie es gehen kann. „Im Kleinen“ sozusagen. In ihrer Heimatgemeinde, einem 1.350-Seelen-Dorf im Weinviertel, hatte sie gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin eine SPÖ-Parteiorganisation aufgebaut – und sie hatte der ÖVP das Fürchten gelehrt. „Die ÖVP hat in unserer Ortschaft 15 Prozent verloren und wir haben neun Prozent gewonnen“, sagte Dohnal in einem Interview 2006 im Rückblick auf die Nationalratswahl dieses Jahres – nicht ohne Stolz.

Die Freude der Politikerin galt auch „im Kleinen“ nicht der Partei als politische Hülle, sondern richtete sich vielmehr darauf, dass der Wahlerfolg Zeugnis dafür gab, dass ihre politischen Inhalte und Überzeugungen gegriffen hatten. Und die drehten sich – arg verkürzt dargestellt – um Menschlichkeit, Chancengleichheit und den ewigen Kampf um die stets bedrohten Frauenrechte.

Quote verdoppeln

Weil dieser Kampf nur mit engagierten und motivierten Politikerinnen weitergeführt werden kann, darf davon ausgegangen werden, dass sie sich über die laufende Kampagne der Salzburger SPÖ-Frauen gefreut hätte. „Wir motivieren Frauen, sich in der Gemeindepolitik zu engagieren“, erklärt Ingrid Riezler, Vorsitzende der Salzburger SPÖ-Frauen, Landtagsabgeordnete und Gemeindevertreterin in Radstadt, „und unterstützen sie beim Einstieg.“

Die Kampagne ist auf die Salzburger Gemeinderatswahlen 2014 konzentriert. Ende 2013 müssen die Listen erstellt werden. Und auf diesen sollen viele für die Politik gerüstete Frauen zu finden sein, sodass nach der Wahl die Frauenquote unter den SPÖ-Gemeindevertretern des Landes nicht mehr bei knapp 20 Prozent, sondern bei 40 Prozent liegt.

„Es bleibt für uns SPÖ-Frauen ein zentrales Ziel, die gesellschaftlichen Bedingungen so zu gestalten, dass Frauen und Männer dieselben Chancen und Möglichkeiten haben“, lädt die Homepage www.frauen-machen-politik.at ein. „Um unsere Ziele zu erreichen, brauchen wir mehr Frauen, die sich mit uns politisch engagieren. Es freut uns, wenn du uns hilfst, unser ‚Gewichtsproblem‘ auszugleichen.“ (siehe Cartoon oben)

Umgelegt auf den politischen Alltag in Salzburg stehen beispielsweise Ingrid Riezler, Helga Hammerschmied-Rathgeb (Bürgermeisterin in Leogang), Gudrun Mosler-Törnström (Gemeindevertreterin in Puch) oder Petra Gillhofer (Gemeindevertreterin in St. Georgen) auf der Wippe und locken landauf, landab Salzburgerinnen, sich in ihren Gemeinden politisch zu engagieren. Seit über zwei Jahren wird vor diesem Hintergrund die Frauenakademie Salzburg angeboten, wo interessierte Frauen eine vierteilige Ausbildung absolvieren können, um für den politischen Alltag gewappnet zu sein.

Vorbereitung

Die vier Module führen in die Welt der Politik im Allgemeinen und der Frauenpolitik im Speziellen ein. Allgemein und „frauengeschichtlich“ ist der erste Teil, auf Rhetorik und Argumentation konzentriert sich der zweite, die politischen Handlungsfelder der Gemeinde umreißt der dritte und das Zeitmanagement mit der Frage „Wie bringe ich Politik, Beruf und Familie unter einen Hut?“ der vierte Teil. Letzteres Modul würde bei Seminaren, die von politikambitionierten Männern besucht werden, wohl kaum zu finden sein und trägt einem von vielen kleinen bis großen Unterschieden Rechnung. „Die Biografie von Politikerinnen startet anders“, so Riezler, „Frauen starten zu einem anderen Zeitpunkt, und sie starten auch hauptsächlich vor dem Hintergrund, frauenpolitisch aktiv zu werden.“ Die Motivation, in die Politik einzusteigen, ist anders, und die Ziele sind es auch. „Wenn sich Frauen engagieren, dann wollen sie wirklich was tun, ganz konkret arbeiten, Projekte realisieren. Die Hand im Gemeinderat zu heben, ist zu wenig“, so Riezler.

Bestätigt wird Riezlers Feststellung etwa durch den Beitrag, den eine Interessierte kurz nach dem Start der Kampagne im Oktober 2011 online stellte. „Ich hatte nach meiner Scheidung ein sehr bewegtes Leben, da ich zu spüren bekam, was es heißt, als Frau allein mit Kindern den Hürden der Bürokratie ausgesetzt zu sein. Doch bin ich froh gewesen, auf Frauen gestoßen zu sein, die mir weitergeholfen haben. Das ist eine lange Geschichte, aber ich hab's geschafft! Darum war es immer schon mein Wunsch, irgendwie was für Frauen zu bewegen.“ Sie fühlte sich gleich von der Kampagne der SPÖ-Frauen angesprochen.

Engagieren statt jammern

25 Frauen haben die Ausbildung bereits absolviert. „13 Teilnehmerinnen sind bei dem seit 21. Jänner 2012 laufenden Programm dabei“, so Riezler. Noch mehr sollen es werden, wenn der Schnee geschmolzen ist und die SPÖ-Frauen potenzielle künftige Kolleginnen mittels Straßenaktionen ansprechen. „Das wollen wir lustig gestalten“, sagt Riezler. Folder zu verteilen und die Frauen dann wieder weglaufen zu sehen, sei jedenfalls zu wenig. Nein, die Frauen sollen mit offenen Armen empfangen werden. „Versucht es, traut es euch zu!“, animiert Gudrun Mosler-Törnström: „Die politische Arbeit stärkt die Persönlichkeit, das Selbstbewusstsein und erweitert den Horizont.“ Helga Hammerschmied-Rathgeb sagt: „Wir Frauen haben ein gutes Gespür für die Menschen und für die Zeit – in diesem Sinne machen wir auch gute und ernst zu nehmende Politik.“ Und Petra Gillhofer stellt fest: „Wenn man sich für die Gemeinde einsetzen möchte und etwas verändern will, anstatt nur zu jammern, dann ist der Weg in die Gemeindepolitik der beste. Außerdem ist die Unterstützung der SPÖ-Frauen einfach super.“

Das hätte Johanna Dohnal gefallen.