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Mit Mythen aufräumen

Mein neues Buch „Die E-Zigarette – Fakten & Mythen“ soll Raucher fachlich richtig informieren und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen zum Nachdenken anregen. Ausschließlich der Nutzen für die Gesundheit der Bevölkerung sollte gesundheitspolitische  Entscheidungen rechtfertigen und niemals das Bedienen von Interessensgruppen.

Raucherinnen und Raucher wissen, dass sie durch ihr Verhalten ihre Gesundheit nachhaltig schädigen und ihre Lebenserwartung um mehrere Jahre verkürzen. Die Gewöhnung an das Rauchverhalten ist aber so stark ausgeprägt, dass Entwöhnungsversuche zumeist langfristig scheitern und medizinischer Nikotinersatz wenig hilfreich ist. Begleitende Verhaltenstherapie erhöht zwar die Erfolgsquote, Raucher betrachten sich aber nicht als behandlungsbedürftige Patienten, und viele lehnen medizinische Therapie ihrer Gewohnheit ab. Hier kommen E-Zigaretten ins Spiel, die nikotinhaltige Flüssigkeiten erhitzen und daher keinen Rauch sondern Nebel (umgangssprachlich "Dampf") emittieren. Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass die Schädlichkeit des Rauchens nicht auf Nikotin sondern toxischen Stoffen im Verbrennungsrauch beruht. E-Zigaretten ermöglichen nun Raucherinnen und Rauchern Nikotinkonsum und Rauchritual beizubehalten, dabei aber die Inhalation gesundheitsschädlicher Verbrennungsprodukte im Tabakrauch zu vermeiden.

Gesundheitsbehörden sind gefordert. Aufgrund von Emissionsanalysen und klinischen Studien besteht internationaler wissenschaftlicher Konsens, dass das Dampfen um Größenordnungen weniger schädlich ist ist als das Rauchen. Das Krebsrisiko ist etwa 100-fach vermindert und somit vernachlässigbar, insgesamt ist das Gesundheitsrisikos um mindestens 95 % geringer. Im Sinne verantwortungsvoller Gesundheitspolitik sollte die Bevölkerung daher klar und unmissverständlich über die Vorteile von E-Zigaretten zur Schadensminimierung des Rauchens (tobacco harm reduction) informiert werden. Gesundheitsbehörden und Gesetzgebung scheinen jedoch vorrangig finanzpolitische und ideologische Aspekte im Auge zu haben. Sinkende Raucherquoten belasten die Staatsbudgets und bedrohen die Einkünfte der Pharmaindustrie, der sich die Weltgesundheitsorganisation und medizinische Fachgesellschaften verpflichtet fühlen. Daher wird mit tatkräftiger Unterstützung der Medien eindringlich vor minimalen Restrisiken des Dampfens gewarnt, während man die um Größenordnungen geringere Schädlichkeit von E-Zigaretten unter den Teppich kehrt. Anstatt Raucherinnen und Raucher zum Umstieg zu motivieren und dafür Anreize zu schaffen, werden diese verunsichert und rauchen dann "sicherheitshalber" weiter. Die Desinformation der Bevölkerung führte zu eklatanter Fehleinschätzung der relativen Risiken nikotinhaltiger Produkte. In Umfragen geben 60 - 80 % der Befragten an, E-Zigaretten seien gleich oder sogar noch schädlicher als Verbrennungszigaretten. Die Mehrheit der Bevölkerung ist also objektiv falsch informiert.

Lasst Kinder aus dem Spiel. Ein häufig vorgebrachtes Argument ist die Gefährdung Minderjähriger, die durch wohlschmeckende Fruchtaromen zum Dampfen und in weiterer Folge zum Rauchen verführt würden. Dabei ignoriert man geflissentlich, dass die Raucherquoten unter Jugendlichen seit Verbreitung von E-Zigaretten nicht zu- sondern kontinuierlich abgenommen haben und der Verkauf von E-Zigaretten an Jugendliche untersagt ist. Es ist absurd, das Verbot harmloser Lebensmittelaromen für mündige Erwachsene anzustreben, Spirituosen und nachweislich tödliche Tabakzigaretten hingegen frei verfügbar am Markt zu belassen. Der Jugendschutz wird vorgeschoben, um sachlich unbegründete gesetzliche Bestimmungen zur Einschränkung des Dampfens zu rechtfertigen.

Die angebliche Verführung Minderjähriger zum Nikotinkonsum ist nur eines von zahlreichen Argumenten gegen E-Zigaretten, die durch publizierte Studien, Umfragen und oft auch schlichten Hausverstand ad absurdum geführt werden. In dem vorliegenden Buch erläutere ich zunächst die Fakten über E-Zigaretten anhand der Fachliteratur, diskutiere dann die diversen Mythen, mit denen man Raucher vom Umstieg abhalten möchte und beschäftige mich zuletzt mit den komplexen politischen Hintergründen der Kontroverse rund um das Dampfen. Wenn ich damit nicht nur Raucherinnen und Raucher zum Umstieg auf E-Zigaretten motivieren sondern politische Entscheidungsträger zum Nachdenken anregen konnte, hat mein Buch seinen Zweck erfüllt.

Infokasten: Zur Person

Zur Person

Prof. Dr. Bernd Mayer ist seit 1999 Ordentlicher Universitätsprofessor für Pharmakologie und Toxikologie im Fachbereich Pharmazie der Universität Graz beschäftigt sich seit 2006 mit den gesundheitlichen Aspekten von E-Zigaretten.