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Gemeinde-Bonitätsranking 2020

Zum neunten Mal widmet public in Zusammenarbeit mit dem KDZ seine Sommer-Sonderausgabe der Bonität der österreichischen Gemeinden. Das Ranking der 250 besten unter den 2097 Gemeinden (ohne Wien) war vielleicht noch nie so brisant. Weil die Mutter aller Krisen die Gemeinden derart herausfordert. Und die Bonität zur Säule werden kann, deren Fundament über die Zukunft entscheidet. Von Alexandra Keller

Wenn man in guten Jahren vorsichtig agiert und Rücklagen bildet, tut man sich natürlich in einer krisenhaften Zeit leichter“, sagt Gerhard Huber. In ganz normalen Zeiten klingt diese Feststellung unspektakulär und mag dem einen oder dem anderen ein „Ja eh“ entlocken. Aktuell aber entscheidet das, was der Bürgermeister der oberösterreichischen Gemeinde Sattledt im public-Interview festhält, möglicherweise ein gutes Stück weit darüber, wie eine Kommune die Nachwirkungen der Corona-Krise überstehen und ihre ureigensten Aufgaben trotz finanzieller Einbrüche meistern kann. „Aus jetziger Sicht können wir unsere Projekte wie geplant fortsetzen“, sagt Bürgermeister Huber auch. Spätestens jetzt machen seine Worte hellhörig. Zu Recht. Die Gemeinde Sattledt ist Siegerin des traditionell im Sommer erscheinenden public-Rankings der 250-Top-Gemeinden Österreichs. Die Ruhe, mit welcher Huber der Mutter aller Krisen, mit ihren rundum unheimlichen Auswirkungen auf Menschen wie Institutionen begegnet, kommt also nicht von ungefähr. Und der ehrenwerteste unter den Stockerlplätzen hatte sich schon angekündigt. 2018 war Sattledt auf dem neunten Platz „gelandet“, 2019 hatte es die Marktgemeinde bereits auf den dritten Platz geschafft und nun ist sie beste Gemeinde Österreichs. „Das freut mich sehr“, sagt Bürgermeister Huber und hält weiter fest: „Wenn wir uns auf diesem hohen Niveau nochmals steigern konnten, ist das natürlich ein erfreulicher Umstand und spiegelt die durchaus positive Entwicklung unserer Gemeinde in wirtschaftlicher und finanzieller Natur wider. Ja, die Botschaft freut mich und bestärkt uns auf unserem Weg.“
Das public-Team und die Experten des Zentrums für Verwaltungsforschung – KDZ  freuen sich mit ihm und gratulieren all jenen Gemeinden herzlich, die sich heuer durch ihre Bonität auszeichnen und es durch ihre herausragende Arbeit in das Ranking der 250 besten geschafft haben. Dass die Bundeshauptstadt Wien, die gleichzeitig Bundesland ist, nicht bei diesem jährlichen Härtetest dabei sein kann, liegt an ihrer Größe. Allein die auf die 1,9-Millionen-Marke zustrebende Einwohnerzahl macht Wien schlicht unvergleichlich mit ihren kommunalen Kollegen. So waren es auch heuer wieder 2097 österreichische Gemeinden, die dem KDZ-Quicktest unterzogen und deren Haushalte anhand ihrer Ertragskraft, Eigenfinanzierungskraft, Verschuldung und freien Finanzspritze auf ihre Bonität abgeklopft wurden. Der Quicktest ist eine Momentaufnahme und kein finanzielles Orakel für die Zukunft. Die Ergebnisse zeigen aber auf, wo die Gemeinde steht, wie es um die Gemeinde steht und an welchen Rädchen sie drehen kann, um – noch – besser zu werden. Im Rückblick auffallend ist jedenfalls, dass zahlreiche Gemeinden über viele Jahre im Bonitätsranking vertreten sind und damit regelmäßig den Weg bestätigt bekommen, den sie eingeschlagen haben. Wie eben jener der Marktgemeinde Sattledt, die es heuer an die Spitze des Bonitätsrankings geschafft hat, gefolgt von der Gemeinde Pfaffing (OÖ, 2. Platz), Großgöttfritz (NÖ, 3. Platz), Hausleiten (NÖ, 4. Platz) und Bergland (NÖ, 5. Platz).

Trotz Corona-krise kein Einbruch. In Sattledt hat die Corona-Krise bislang keine Hürden aufgebaut oder Löcher gegraben. Im Gegenteil: „Die dominierende Steuer bei uns ist die Kommunalsteuer und hier merken wir noch überhaupt keinen Einbruch. Nach jetzigem Stand der Dinge brauchen wir keine Projekte zurücksetzen, aussetzen oder reduzieren.“ Das Glück der Gemeinde ist auf die traditionell vorsichtige Budgetierung wie auch auf die 4.500 Tüchtigen zurückzuführen, die in Sattledt arbeiten und die breit aufgestellte Betriebsstruktur der Marktgemeinde – vom EPU bis hin zum Konzern mit 1.100 Mitarbeitern – mit Leben füllen. Diese Dynamik schlägt sich selbstverständlich auch in der Analyse des KDZ nieder, wo festgehalten wird: „Im Vergleich zu anderen oberösterreichischen Gemeinden gleicher Größe hat Sattledt deutlich überdurchschnittliche Einnahmen aus eigenen Steuern, überdurchschnittliche Einnahmen aus Gebühren und unterdurchschnittliche Einnahmen aus Ertragsanteilen. […] Das Ergebnis der laufenden Gebarung ist aufgrund der hohen Einnahmen rund 3,5-mal höher als in den oberösterreichischen Vergleichsgemeinden gleicher Größe.“ Überdurchschnittlich ist das Schlüsselwort. Bravo.

Die zweitgereihte Gemeinde. Es ist weit mehr als der sportliche, kommunale Haushalts-Ehrgeiz, der mit den Ranking-Plätzen abgebildet wird. Gerade in der aktuellen Krisenzeit bekommen die Ergebnisse des Härtetests eine zusätzliche Dimension und es bleibt anhaltend spannend, wie unterschiedlich die „Vorarbeiten“ sein können, die Basis für einen Stockerlplatz sind. So unterschiedlich eben wie die Gemeinden selbst. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der zwei oberösterreichischen Top-Gemeinden Sattledt und Pfaffing ist vor diesem Hintergrund extrem spannend. Während Sattledt äußerst günstig liegt – mitten im oberösterreichischen Zentralraum, mit Autobahnnetz und allen für florierendes Wirtschaften vielversprechenden Parametern – kann bei der zweitgereihten Gemeinde Pfaffing nicht von einer Gunstlage gesprochen werden. Knapp 60 Kilometer von Sattledt entfernt liegt Pfaffing ruhig und beschaulich im Hausruckviertel. Die Einträge mögen nicht alle Feinheiten berücksichtigen, doch verrät die Online-Enzyklopädie Wikipedia über Pfaffing sehr viel über die spannende mittelalterliche Geschichte, ein wenig über den erfolgreichen Tennisklub und erwähnt auch den  schönen Umstand, dass in Folge zwei Frauen an der Spitze der Gemeinde stehen, doch findet sich dort kein Hinweis über wirtschaftliche Aktivitäten. Dass Pfaffing sowohl im Jahr 2018 als auch im Jahr 2019 als Siegerin aus dem Bonitätsranking hervorgegangen war, macht die Gemeinde zu einem starken kommunalen Leuchtturm und Bürgermeisterin Gabriele Aigenstuhler hält fest: „Über diese neuerliche Auszeichnung freue ich mich persönlich natürlich sehr, noch dazu, wo wir ja nicht über großartige Kommunalsteuereinnahmen verfügen.“
Dementsprechend ergab die KDZ-Quicktest-Analyse, dass Pfaffing im Vergleich mit anderen oberösterreichischen Gemeinden gleicher Größe unterdurchschnittliche Einnahmen aus eigenen Steuern hat. Die Einnahmen aus Ertragsanteilen sowie die Einnahmen aus Gebühren liegen im Mittelfeld, während die laufenden Transfereinnahmen von Trägern öffentlichen Rechts deutlich über dem Mittelwert liegen. „Aufgrund der niedrigen laufenden Ausgaben ergibt sich trotz geringer laufender Einnahmen ein rund 1,5-mal höheres Ergebnis der laufenden Gebarung als in den oberösterreichischen Vergleichsgemeinden gleicher Größe“, adelt das KDZ gleichsam die Finanzgebarung der Gemeinde, deren Prioritäten Bürgermeisterin Aigenstuhler knapp zusammenfasst: „Nichts auszulagern, was man selber leisten kann und jede Ausgabe zu hinterfragen.“ Das schaffen sie und ihr Gemeinderat auch, weil sie sich außergewöhnlich gut auf den Amtsleiter und die weiteren Mitarbeiter im Gemeindedienst verlassen können. Und nicht nur die. „Ganz besonders stolz bin ich auf die vielen freiwilligen Helfer, die immer wieder im Wirtshaus fleißig mitarbeiten“, lenkt Aigenstuhler den Blick auf das Wirtshaus, das die Gemeinde gekauft hat und gemeinsam mit ihren Bewohnern wiederbelebt. Trotz Corona liegt die Gemeinde im Zeitplan, im Sommer 2021 wird der neue Treff- und Mittelpunkt eröffnet. Wie sich die Krise, in der die Ertragsanteile „schon kräftig“ eingebrochen sind, auf künftige Investitionen auswirken wird, kann die Bürgermeisterin noch nicht sagen, wohl aber weiß sie: „Eine hohe Bonität macht es sicher einfacher, als wenn man schon mit dem Rücken zur Wand steht.“

Kontinuierliche Arbeit. Sattledt und Pfaffing sind wahrlich keine Newcomer an der Spitze der Top 250 und sie zeigen eindrucksvoll, wie sich so kontinuierliche wie clevere Arbeit in den Gemeinden auszahlen kann – unabhängig von Gunst und Lage. Näher an Bayern rückt hierbei der Blick, wird das Bundesländerranking betrachtet und dabei die drittbeste Gemeinde Oberösterreichs fokussiert. Geinberg (Bezirk Ried im Innkreis) war in den letzten beiden Jahren unter den Top 30 zu finden und schaffte 2020 den Sprung auf Platz 7. Ein tolles Ergebnis für die Innviertel-Gemeinde, die seit 1998 mit der Therme Geinberg die größte Thermenlandschaft Oberösterreichs zu bieten hat. Im Ranking der Top 3 je Bundesland sticht Niederösterreich hervor – mit den Plätzen 3 bis 5. „Die Auszeichnung als beste Gemeinde Niederösterreichs und drittbeste Gemeinde Österreichs erfüllt mich persönlich schon mit großer Freude, da bei einem niederösterreichweiten Ranking mit dem Titel ‚Gstopfte und Armutschkerln‘ über die Finanzkraft der Gemeinden Niederösterreichs im Jahr 1989, also vor 31 Jahren, die Gemeinde Großgöttfritz damals nur den vorletzten Platz von den insgesamt 573 Gemeinden Niederösterreichs belegte“, berichtet Johann Hofbauer von der Entwicklung der Marktgemeinde, die nicht zuletzt seine Handschrift trägt. Seit 1990 ist Hofbauer Bürgermeister von Großgöttfritz und damit der am längsten amtierende Bürgermeister im Bezirk Zwettl.
Der große Sprung. Der Weg vom „Armutschkerl“ in die Top 5 der österreichischen Gemeinden klingt ein wenig wie der amerikanische Traum vom Tellerwäscher. Derart große Sprünge sind mit viel zielgerichteter Disziplin verbunden. „Es wurde bei Investitionen stets auf die Notwendigkeit der Vorhaben sowie auf durch die Realisierung mögliche Synergieeffekte gesetzt und sehr darauf geachtet, dass auch die laufenden Erhaltungskosten der Investitionsvorhaben nach Fertigstellung der Vorhaben leistbar sind und stets im Rahmen bleiben“, verrät Bürgermeister Hofbauer sein Haushalts-Rezept, mit dem es der Gemeinde in den vergangenen fünf Jahren gelungen ist, etwa den Gemeindestraßen- und Güterwegebau in den acht Katastralgemeinden sowie den Hochwasserschutz- bzw. die Ortsbachsanierungen voranzutreiben, einen neuen Kommunaltraktor anzuschaffen, ein Landschaftsbiotop sowie Beachvolleyballplätze zu errichten, die fünf Freiwilligen Feuerwehren mit notwendigen Anschaffungen zu unterstützen oder eine dritte Kindergartengruppe einzurichten. Die jüngsten Großgöttfritzer Projekte wirken wie ein kleiner Spaziergang durch den Aufgabenkatalog von Gemeinden, den in seiner Breite und Tiefe abzuarbeiten die Finanzen selbstredend eine entscheidende Rolle spielen. „Im Vergleich mit anderen niederösterreichischen Gemeinden gleicher Größe hat Großgöttfritz überdurchschnittliche Einnahmen aus eigenen Steuern. Die Einnahmen aus Ertragsanteilen liegen im Mittelfeld und die Einnahmen aus Gebühren betragen mit etwa 100 Euro pro Kopf nur rund ein Drittel der niederösterreichischen Vergleichsgemeinden“, wird in der KDZ-Analyse der erfreulichen Göttfritzer Zahlen darauf hingewiesen, dass den Bürgern die Haushaltskunst ihrer Gemeinde ganz direkt zugutekommt. Dem Umstand, in der Vergangenheit „jeden Euro dreimal umgedreht“ zu haben, hat es die Gemeinde zu verdanken, nicht auf eventuelle Auswirkungen der Corona-Krise reagieren zu müssen. „Die sehr gute Bonität unserer Gemeinde ist natürlich bei der Bewältigung dieser globalen Krise sehr hilfreich und wir haben uns in guten Zeiten  durch die Bildung von Rücklagen natürlich für solche Krisenzeiten entsprechend gewappnet und können dadurch die derzeitigen schlechten Zeiten für die Gemeinden gut bewältigen und der Krise daher erfolgreich Paroli bieten“, kann Bürgermeister Hofbauer sein 30-jähriges Jubiläum mit einem beruhigenden Polster und der Bronzemedaille des Bonitätsrankings feiern. Schön.

Das Miteinander ist wichtig. Auf Niederösterreichs Straßen liegt Großgöttfritz knapp eine Autostunde von Hausleiten entfernt. Im Bonitätsranking sind sich die beiden Gemeinden viel näher, nimmt Hausleiten dort doch Platz vier ein. Gegenüber 2019 konnte die 3.679 Einwohner zählende Marktgemeinde im Bezirk Korneuburg einen Platz gutmachen. Bürgermeister Josef Anzböck macht es stolz, „dass unsere konsequente Arbeit in der Marktgemeinde im public-Gemeinderanking in dieser Form zum Ausdruck kommt. Diese konstanten Ergebnisse sind sicherlich auf eine jahrzehntelange, gute Arbeit innerhalb der Gemeinde zurückzuführen“. Sicherlich, basiert sie doch nicht zuletzt auf dem „Miteinander im Gemeinderat“ sowie dem so guten wie verlässlichen Fachpersonal in der Verwaltung, ohne das nun mal keine guten Ergebnisse zu erzielen sind. Hausleiten, wo die Urdonau ihre Spuren hinterlassen und das Gelände geprägt hat, liegt in einer sehr fruchtbaren Gegend. Beliebt ist sie auch. Und das zeigt sich beispielsweise daran, dass der Zuzug als stark bezeichnet werden kann. Mehr Hausleitener bedeuten für die Gemeinde gleichsam als logische Konsequenz, dass die Neubauten von Wohnhäusern erschlossen werden müssen. „Jährlich wird sehr viel Geld für den Straßenbau investiert“, stellt Bürgermeister Anzböck zu einem wichtigen und fast schon traditionellen Posten in der Haushaltsrechnung fest. Bis 2031 schlagen dort die Darlehen für den Wasserleitungs- und Kanalnetzbau zu Buche – immerhin neun Katastralgemeinden auf einer Fläche von über 60 Quadratkilometer fordern in dem Zusammenhang ihren Tribut. Jene Darlehen, die Hausleiten etwa für die Kindergärten oder die Klassenerweiterungen in der Volksschule aufgenommen hat, werden bis 2026 getilgt sein und zu den Prioritäten des kommunalen Handelns, stellt Anzböck fest: „Im Wesentlichen gehört zu unseren wichtigsten Prioritäten, mit Ziel und Maß zu investieren. Dies ist jedoch leicht gesagt. Die Projekte Kindergarten beziehungsweise Volksschule mussten ausgebaut werden, da der Bevölkerungszuwachs innerhalb von circa acht Jahren bei 25 Prozent lag. Dies ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Marktgemeinde Hausleiten im sogenannten Speckgürtel Wiens liegt.“ Und dieser Speck fängt Mäuse.
Durch die Brille der KDZ-Experten fällt bei Hausleiten auf, dass die Marktgemeinde unterdurchschnittliche Einnahmen aus eigenen Steuern hat, während die Einnahmen aus Ertragsanteilen im Mittelfeld liegen. „Die laufenden Transfereinnahmen liegen deutlich über dem Durchschnitt der Vergleichsgemeinden. Zum größten Teil sind dies Transfers im Bereich der Betriebe der Abwasserbeseitigung und zum Haushaltsausgleich. Auf der Ausgabenseite agiert die Gemeinde sehr sparsam, sodass die Personalausgaben, der Verwaltungs- und Betriebsaufwand und die Transfers an Träger des öffentlichen Rechts unterdurchschnittlich hoch sind“, bestätigt das KDZ den erfolgreichen Weg. Wie sehr dieser Weg durch Corona beeinträchtigt wird, ist noch nicht klar. „Sollten die Auswirkungen schlimmer als derzeit befürchtet ausfallen, müssen manche nicht unbedingt erforderliche Investitionen verschoben werden“, sagt Bürgermeister Anzböck und meint: „Die hohe Bonität unserer Gemeinde kann natürlich bei der Aufnahme von notwendigen Darlehen sehr hilfreich sein.“

Die Freude war groß. In dem Zusammenhang zitiert Walter Wieseneder, Bürgermeister der fünftbesten Gemeinde im aktuellen Gemeinderanking – Bergland – ein altes Sprichwort: „Wo Tauben sind, fliegen Tauben hin.“ Damit spricht er die Notwendigkeit an, Eigenmittel zu haben beziehungsweise „flüssig“ zu bleiben, um auf Kofinanzierung basierende Mittel aus der Gemeindemilliarde oder sonstigen Förderungen Anspruch erheben und die Auswirkungen der Krise bewältigen zu können. In Bergland knallten die Korken, nachdem public dem Bürgermeister mitgeteilt hatte, dass seine Gemeinde zu den besten fünf Österreichs zählt. „Ich habe diese positive Nachricht natürlich erst einmal verdauen müssen und ich habe mit meinem Team auf diesen gemeinsamen Erfolg angestoßen“, erzählt Wieseneder von der ganz direkten Reaktion auf die belebende wie erhebende Nachricht. Seit September 2017 ist Wieseneder Bürgermeister der Gemeinde im niederösterreichischen Mostviertel, in der Gemeindepolitik selbst ist er aber schon seit 25 Jahren tätig. Er kennt seine Gemeinde, weiß das gut überlegte Investieren seiner Vorgänger zu schätzen und sagt: „Ich sehe es als meinen Auftrag, meine Bürger bestmöglich zu unterstützen und nicht an allen Ecken und Enden zu sparen. Umso mehr freue ich mich über das Topergebnis und hoffe, dass sich auch alle Bergländerinnen und Berg-
länder darüber freuen.“ Alles andere würde überraschen, zeichnet Bergland doch eine sehr aktive Dorfgemeinschaft aus, durch deren Mithilfe und Unterstützung die Gemeinde florieren kann. „Zum Beispiel haben sich in der Corona-Zeit einige Frauen aus unserer Gemeinde abgesprochen und über 700 Mund-Nasen-Schutzmasken für Erwachsene und 70 Masken für Volksschulkinder genäht. Diese Masken konnten sich unsere Bürger gratis im Gemeindeamt holen“, nennt Bürgermeister Wieseneder ein Beispiel für den gelebten Zusammenhalt, der besungen und „betanzt“ wurde, als Bergland im Jahr 2018 den 50. Gemeindegeburtstag feierte.
„Insgesamt ergibt sich für die laufenden Einnahmen aufgrund der hohen Einnahmen aus eigenen Steuern ein deutlich überdurchschnittliches Ergebnis im Vergleich mit anderen niederösterreichischen Gemeinden gleicher Größe“, lautet die Bergland-Analyse der KDZ-Experten, die darüber hinaus feststellen: „Auf der Ausgabenseite liegen die Personalaufwendungen und der Verwaltungs- und Betriebsaufwand unter dem Durchschnitt. Das Ergebnis der laufenden Gebarung ist rund 1,5-mal höher als in den niederösterreichischen Vergleichsgemeinden.“ Es gibt also echt gute Gründe, im Gemeindeamt ein Gläschen auf den gemeinsamen Erfolg zu trinken. Oder zwei.

Weitere Platzierungen in den Bundesländern. Dass die Top-Gemeinden im Ranking nicht nur mit allen österreichischen, sondern vor allem mit den Gemeinden gleicher Größe in den Bundesländern in Relation gesetzt werden, liegt an den unterschiedlichen Rahmenbedingungen, die in weiten Teilen Ländersache sind. Auch vor diesem Hintergrund analysiert das KDZ jährlich die Top-Gemeinden der Länder. Ober- und Niederösterreich haben ihre Lorbeeren bereits im Rahmen der besten fünf des Gemeinderankings 2020 bekommen. Doch wie sieht es östlich, westlich und südlich aus?
Den Blick in Richtung aufgehende Sonne gerichtet, stechen im Burgenland die Gemeinden Wiesen (14), Frankenau-Unterpullendorf (17) und Stinatz (41) heraus. Frankenau-Unterpullendorf darf mit einem großen Stern ausgezeichnet werden, weil die am Stooberbach im Mittelburgenland liegende Gemeinde Neueinsteigerin im Gemeinderanking ist. Und das gleich mit Platz 17.
Die Top-Marktgemeinde Wiesen ist nicht nur wegen der Erdbeeren berühmt, sondern auch wegen des jährlich stattfindenen Jazzfestivals. Und nun auch, weil sie es geschafft hat, in zwei Jahren vom Platz 89 (2018) über Platz 35 (2019) auf Platz 14 vorzurücken. „Aufgrund der niedrigen laufenden Ausgaben ergibt sich trotz geringer laufender Einnahmen ein überdurchschnittliches Ergebnis der laufenden Gebarung“, berichtet das KDZ zur Analyse der Wiesener Zahlen und streicht hervor, dass der Schuldenstand der Gemeinde seit mehreren Jahren 0 Euro beträgt. In Worten: null. Das heißt schon was.
In Kärnten haben es zwei Gemeinden in das Top-250-Ranking geschafft. Der Tourismusmagnet Bad Kleinkirchheim (Bezirk Spittal an der Drau) war im Jahr 2018 Neueinsteiger im Ranking, 2019 lag die Gemeinde auf Platz 211 und heuer hat sie sich auf Platz 155 gesteigert. Mit der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg hat Kärnten eine schon traditionelle Bonitäts-Meisterin gefunden. Vergangenes Jahr lag die Marktgemeinde, deren slowenischer Name Bistrica nad Pliberkom lautet, auf Platz 7 und heuer ist sie leicht nach hinten gerutscht und auf Platz 24 in der Gesamtwertung gelandet. Überdurchschnittlich sind die Einnahmen der Gemeinde aus eigenen Steuern. Rund 4,5mal so hoch sind sie, als in anderen Kärntner Gemeinden dieser Größenordnung und das KDZ hält fest: „Das Ergebnis der laufenden Gebarung ist rund 3,5-mal höher als in den Vergleichsgemeinden.“ Feistritz ist für Kärnten, was Dorfgastein für Salzburg ist. Eine Klasse für sich. Das Ski- und Wanderparadies im Gasteinertal ist – auch was die Bonität betrifft – extrem sportlich, hat im Gemeinderanking schon traditionell die Nase vorn und zum aktuellen Platz 9 im Gesamtranking heißt es in der Analyse des KDZ: „Aufgrund der niedrigen laufenden Ausgaben ergibt sich trotz unterdurchschnittlicher laufender Einnahmen ein überdurchschnittliches Ergebnis der laufenden Gebarung im Vergleich mit anderen Salzburger Gemeinden gleicher Größe.“ Den Slalom der kommunalen Haushaltskunst beherrschen auch die Salzburger Gemeinden Tweng (16) und Filzmoos (20) mit Bravour.
Dieses Bravo hat sich auch die steiermärkische Siegergemeinde Hartl verdient. Vergangenes Jahr wurde im Bezirk Fürstenfeld stark geklatscht, war Hartl doch auf Platz 4 des Gemeinderankings gelandet. Der Applaus sollte heuer nicht minder stark ausfallen, denn mit Platz 6 wurde nur knapp der Stockerlplatz verpasst. „Die gute wirtschaftliche Entwicklung unserer Betriebe ist die Basis für diesen Erfolg“, hatte Bürgermeister Hermann Grassl vergangenes Jahr festgestellt und das KDZ streut der Gemeinde auch heuer ganz faktische Rosen: „Insgesamt ergibt sich für die laufenden Ausgaben ein unterdurchschnittliches Ergebnis, sodass auch trotz unterdurchschnittlicher Einnahmen ein rund doppelt so hohes Ergebnis der laufenden Gebarung im Vergleich mit anderen steirischen Gemeinden gleicher Größe erzielt werden kann.“ Neben Hartl hält sich auch die Gemeinde Feldkirchen bei Graz auffallend gut im Bonitätsranking und konnte gegenüber 2019 neuerlich einen Platz gutmachen und mit Platz 19 im Gesamtranking herausstechen. St. Veit in der Südsteiermark ist mit Rang 28 die drittbeste Gemeinde der Steiermark.
Ein schönes Stück weiter westlich, ein wenig turbulenter und auch ein wenig kühler ist es im  Zillertal, wo mit Stummerberg und Ried im Zillertal die zwei besten Gemeinden Tirols stolz sein können auf ihre Bonität. Die drittbeste Tiroler Gemeinde ist Ebbs, das als Hochburg der Haflingerzucht bekannt ist und auch, weil es im Gemeinderanking mäandert – von Platz 13 im Jahr 2018 über Platz 9 im Jahr 2019 auf Platz 35 im aktuellen Ranking. Ried im Zillertal war 2018  nicht im Ranking vertreten, hüpfte im Jahr darauf auf Platz 98, um zu einem veritablen Sprung anzusetzen und auf Platz 25 zu landen. Die Tiroler Goldmedaillengemeinde Stummerberg ist auch keine unbekannte im Olymp der österreichischen Bonitätsmeister. Und wieder beweist der Stockerlplatz geschicktes Jonglieren mit den Ressourcen. Die niedrigen laufenden Ausgaben der Gemeinde machen die geringen laufenden Einnahmen wett, sodass sich ein überdurchschnittliches Ergebnis der laufenden Gebarung ergibt.
Ähnlich sind die Voraussetzungen, mit denen die Vorarlberger Gemeinde Viktorsberg auf Platz 56 im Gesamtranking und auf Platz eins im Rennen der Vorarlberger Kommunen gelandet ist. „Aufgrund der niedrigen laufenden Ausgaben ergibt sich trotz geringer laufender Einnahmen ein rund 1,5-mal höheres Ergebnis der laufenden Gebarung als in den Vorarlberger Vergleichsgemeinden“, stellt das KDZ zur Arbeit der nur 415 Einwohner zählenden Gemeinde im Bezirk Feldkirch fest. Mit 275 Einwohnern noch kleiner ist die Gemeinde Stallehr, die sich die Bonitäts-Silbermedaille des Ländle wohlverdient hat. Mit 1,64 Quadratkilometern ist Stallehr die zweitkleinste Gemeinde Vorarlbergs und rein flächenmäßig würde Stallehr rund 28-mal in die Gemeinde Hittisau passen, die mit Platz 173 den dritten Platz im Bonitätsranking 2020 besetzt.

Der auf dem KDZ-Quicktest basierende Härtetest der österreichischen Gemeinden löst auch heuer wieder Freude bei den Siegern aus und ist Ansporn für jene, die es werden wollen. Gut möglich, dass das Gemeinderanking noch nie so brisant war. Weil die Mutter aller Krisen die Gemeinden derart herausfordert. Und die Bonität zur Säule werden kann, deren Fundament über die Zukunft entscheidet.   

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Infokasten: Weiterführende Information zum Download:

Gemeindeatlas 2020
Bonitätsranking Top-250
Top-10 und Top-Gemeinden der Bundesländer
KDZ Quicktest - Anwendungsleitfaden
Coverstory zum Bonitätsranking
Analyse des Bonitätsrankings